#deinProjekt – Haflinger Bremsen – Gruppe 7

Bremsen
Das Fahrzeug zieht einseitig, die Bremswirkung hat nachgelassen, die Hauptuntersuchung wurde nicht bestanden. Sind die Radbremszylinder fest? Sind die Bremsbeläge verölt oder verschlissen? Lass uns doch mal die Bremsanlage anschauen.

Bremse Vorderachse


Läuft Bremsflüssigkeit aus dem Radbremszylinder? Wie bekomme ich die kleine Haltefeder wieder montiert? Welche Bremsbelagstärke brauche ich? Diese Themen wollen wir in diesem Beitrag behandeln.

Vielen Dank für die Mitwirkung, Tips & Tricks an Walter, Andre und Rene.

Arbeitsaufwand: 3-6 Stunden
Material: 100 – 300 – 500 Euro
Werkzeug: Standard und etwas Blumendraht


Instandsetzen der Bremsen an der Vorderachse

Warnhinweis

Bremsen sind sicherheitsrelevante Bauteile und dürfen nur mit guter Fachkunde gewartet und instandgesetzt werden. Diese Anleitung soll nur für die Besonderheiten des Haflinger Hilfestellung geben.

Bremsbeläge können asbesthaltig sein. In jedem Fall ist im Bremsabrieb Feinstaub enthalten und es sollte nur mit Staubmaske der Filterklasse P3 gearbeitet werden. 


Werkzeug:

  • Schlüssel für Radmuttern
  • Schraubendreher flach, zum Aushängen der Federn
  • Schraubenschlüssel SW 17 und 10, zum Tausch des Radbremszylinders
  • Schraubenschlüssel SW 9 oder 19 für Exzenter (je nach Ausführung)
  • Ringschlüssel SW 7 für die Entlüftungsschrauben
  • Ca 1m Wickeldraht (auch teilweise Blumendraht genannt) mit maximal 1mm Durchmesser (Gibt es im Blumengeschäft) und ein Stäbchen dazu. Zum Einhängen der Federn
  • Eventuell Schonhammer zum Austreiben der Radbremszylinder

Material: (Stand Nov. 2018)

  • Neue Kupferdichtungen für die Bremsleitung
  • Bremssattelfett oder vergleichbar
  • Wenn gewünscht blaue Ate-Bremszylinderpaste
  • Radbremszylinder (sind noch verfügbar)
  • Bremsbacken (sind nicht mehr neu verfügbar)
    Es gibt jedoch Händler in Deutschland und Östereich, die Bremsbacken im Tausch anbieten und es gibt verschiedene Unternehmen, die verschlissenen Backen neu belegen. Dabei ist der momentane Trommeldurchmesser äußerst wichtig, da der Bremsbackenradius zum Trommelradius passen muss. Dabei auch die Verschleissmaße der Trommel aus der Reparaturanleitung beachten!
    Bei der Auswahl des Instandsetzungsbetriebs des Belags sollte man darauf achten, dass die Backe mit Rostschutz behandelt wird. Also mit Tauchkleber oder Lackierung.
  • Federn gibt es im Oldtimer-Fachhandel oder beiden einschlägigen Steyr Puch-Händlern

Bezugsquellen und Teilenummern der Radbremszylinder:

Vorderachse 22 mm z.B. FTE R2207E1
Hinterachse 15,7mm z.B. ATE 03.3215-0221.3, auch FTE R1502P1 oder Metelli 106


Vorgehen Vorderachse

In jedem Fall sollte das Werkstatthandbuch vorliegen. Die dort beschriebenen Schritte werden hier nur kurz angesprochen.

Ausbau der Bremstrommel

  • Fahrzeug aufbocken. Werden beide Bremsen einer Achse instand gesetzt, kann der Haflinger am Zentralrohr abgestützt werden
  • Rad entfernen
  • Bremstrommel abnehmen. Das geht normalerweise sehr einfach.
    Falls die Bremstrommel sich schlecht entfernen lässt ist sind die Beläge vermutlich in der Trommel eingelaufen, es ist also ein einen deutlicher Rand entstanden. Dann die Exzenter nach innen drehen, um mehr Platz zu schaffen. Exzenter von außen mit Kriechöl oder Rostlöser behandeln. In diesem Fall muss die Trommel ausgedreht oder ersetzt werden

Ausbau der Bremsbacken

  • Beide oberen Haltefedern mit einem flachen Schraubendreher von vorne durch die Bremsbacke drücken und so aushängen. Die Federn können normalerweise hängen bleiben
  • Eine Bremsbacke unten aus der Dichtung des Radbremszylinders ausziehen und nach vorne klappen
  • Zweite Bremsbacke ausziehen und beide Backen zusammen mit der Feder abnehmen

Ausbau der Radbremszylinder

  • Alte Bremsflüssigkeit aus Behälter absaugen, Gefäß oder Wanne unterstellen, Bremsleitung lösen
  • Halteschrauben M6 lösen
  • Radbremszylinder abnehmen. Eventuell von hinten mit dem Schonhammer vorsichtig austreiben

Zwischenarbeiten

  • Bremsbacken auf Verschleiß prüfen, bei Bedarf ersetzten oder aufarbeiten lassen. Belagstärke muss zum Durchmesser der Bremstrommel passen. Auch das Trägermaterial auf Einlaufspuren an den Auflagestellen (oberes Lager) prüfen. Die untere Fahne in die Radbremszylinder muss gerade sein.
  • Radbremszylinder prüfen. Es darf keine Flüssigkeit austreten. Bei Bedarf ersetzten.
  • Reinigen des gesamten Bremsenträgers. Insbesondere die Aufnahmeflächen für den Radbremszylinder.
  • Obere Lager der Bremsbacken auf Leichtgängigkeit prüfen und mit Bremssattelfett behandeln. Die Lager lassen sich drehen.
  • Exzenter auf Leichtgängigkeit prüfen und mit Kriechöl behandeln
  • Kontrolle des kleinen Ölleitbleches außen am Radträger. Es muss gerade nach unten zeigen und darf nicht nach innen gebogen sein. Das Blech verhindert, dass evtl. austretendes Getriebeöl auf die Bremsfläche tropft.
  • Sichtkontrolle der Gelenke und auf ausreichen Fett achten.
  • Bremsenträger komplett entfetten
  • Reibflächen für die Bremsbacken gegebenenfalls mit Bremssattelfett leicht behandeln. Hier scheiden sich die Schrauber-Geister. Einerseits gehört Fett nicht in die Bremse, andererseits sind die beweglichen Teile dadurch leichtgängiger.

Vorbereitung der Radbremszylinder

Die Radbremszylinder werden leicht eingeölt geliefert und können so ohne weiteres eingebaut werden.

Das Zerlegen der Radbremszylinder und Einfetten der Bremskolben mit zum Beispiel blauer Ate Bremskolbenpaste erhöht die Lebensdauer der Radbremszylinder. Bei Zerlegen und Zusammensetzten besteht die Gefahr, dass die Dichtlippen oder Staubkappen beschädigt werden.

Die Schrauberfachwelt ist sich nicht einig, welche Methode besser ist. Man entscheidet Lebensdauer gegen Risiko einer Undichtigkeit, das muss jeder für sich entscheiden. Ich selbst habe die Staubkappe abgenommen und die Bremspaste ohne Ausbau des Kolbens aufgetragen. Danach die Kappe wieder aufgesteckt.

Einbau des Radbremszylinders

  • Die Exzenter auf 12 Uhr einstellen und dann eine achtel Drehung nach innen zum Radbremszylinder hin drehen. So erhält man mehr Platz für den Radbremszylinder gegenüber der Stellung ganz innen und man kann die Backen gleich einhängen.
  • Den Flansch bzw. die Trennfläche des Radbremszylinders und den Durchgang zu Ankerplatte mit Bremssattelfett behandeln. Kupferpaste ist an dieser Stelle ungeeignet, da diese im Laufe der Zeit sehr fest backt. Zur not normales Fett nutzen.
  • Bremsleitung anschrauben (Dichtungen ersetzten)

Einbau der Bremsbacken

  • Bremsbacken mit der Spannfeder verbinden. Die Feder befindet sich dabei zwischen Belag und Ankerplatte.
  • Die Backen VORSICHTIG nacheinander in die Staubkappen des Radbremszylinders einsetzen. Staubkappen nicht beschädigen! Das obere Ende der Backen noch vor dem Lager ablegen.
  • Aus dem Wickeldraht eine Schlaufe formen und mit einem Stäbchen
    als Zuggriff (Holz) verbinden. Also einfach oft umwickeln.
  • Die Backen jeweils leicht nach vorne klappen, die Drahtschlaufe durch das Loch führen und die obere Haltefeder in die Drahtschlaufe einhängen. 
  • Die Bremsbacke in das obere Lager legen.
  • Die Haltefeder mit der Drahtschlaufe durch das Loch ziehen und in die Bremsbacke einhängen.
  • Die zweite Backe ebenso.
  • Alles nochmal sichtprüfen.

Einbau der Bremstrommel

  • Bremstrommel aufsetzen.
  • Rad montieren und fest ziehen.
  • Exzenter einstellen. Es soll ein ganz leichtes Schleifgeräusch zu hören sein.
  • Bremsen entlüften (Mit Entlüftungsgerät oder mit Pumpen am Pedal).
    Beim Entlüften ohne Entlüftungsgerät unbedingt darauf achten, dass das Bremspedal nicht über den üblichen Pedalweg hinaus bewegt wird! Im Hauptbremszylinder sind die Flächen durch ständige Benutzung sehr glatt. Wenn der Kolben außerhalb dieses Bereiches auf raue Flächen geschoben wird hat das meist eine Undichtigkeit zur Folge.

Probefahren und –bremsen

Neue Bremsbeläge haben anfangs noch nicht die volle Bremsleistung! Die Fahrweise ist entsprechend anzupassen, bis sich die Beläge auf die Trommel eingeschliffen haben.

Wenn man die Möglichkeit hat (LKW-Werkstatt in der Nähe) kann man die Bremsbacken in eingebautem Zustand mit dem Radius der Trommel abdrehen lassen. Dann trägt die Bremse sofort auf der gesamten Belagfläche und man hat eine sehr gute Bremswirkung.



  • Excenter in Pfeilrichtung ZU
  • Rückholfeder eingehangen
  • Kleine Feder in Ankerpatte
  • Zugschlaufe in Position
  • Kleine Feder in Endposition

Instandsetzen der Bremsen an der Hinterachse

Hier folgen demnächst einige Besonderheiten, insbesondere zum Thema Handbremse und deren Einstellung.

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